Sie möchten in der Region Göttingen eine neue Heizung in Ihrer Immobilie installieren? In diesem Ratgeber erfahren Sie, weshalb es sinnvoll ist, eine*n Energieberater*in zu fragen bevor Sie einen Installateurbetrieb beauftragen, wie Sie mit erneuerbaren Energien heizen können, und welche Heizungssysteme dafür infrage kommen.
9 Minuten Lesedauer
Warum eine Energieberatung sinnvoll ist
Heizungen sind komplexe Systeme, deshalb verlassen sich die meisten Eigenheimbesitzer*innen auf die Empfehlung einer Fachkraft, wenn es um die Erneuerung Ihrer Heizung geht.
Diese Fachkraft sollte möglichst unabhängig und frei von Verkaufsinteressen sein. Energieberatungen, die wir in Kooperation mit der Verbraucherzentrale anbieten, sind objektiv und berücksichtigen in ihren Empfehlungen auch immer, ob und wie sich eine Modernisierung wirtschaftlich lohnt und mit welchen Fördermitteln die Finanzierung unterstützt werden kann. Bundesweite Förderungen und Fördermittel des Landkreises Göttingen oder aus dem KlimaFonds der Stadt Göttingen lassen sich kombinieren. Außerdem berücksichtigen Energieberater*innen den energetischen Zustand des gesamten Gebäudes und können beurteilen, welche Heizungsanlage nach einer anstehenden Modernisierung sinnvoll ist. Auch erhalten Sie Auskunft darüber, ob es sich zum Beispiel lohnt Fenster und Wände ebenfalls zu erneuern, um eine sparsamere Heizung zu ermöglichen.
Welche Heizung ist die richtige für Sie?
Wer nach der richtigen Heizung für eine bestimmte Immobilie sucht, sollte zunächst entscheiden welche Aspekte dabei am wichtigsten sind. Geht es um die Wirtschaftlichkeit, dann spielen neben den Kosten für die Anlage und deren Installation auch die Betriebskosten für die voraussichtliche Lebensdauer (ca. 15 bis 20 Jahre) eine Rolle.
Wer klimaschonend heizen möchte, braucht eine Anlage die besonders effizient arbeitet und möglichst erneuerbare Energien nutzt. Außerdem ist nicht jede Heizung für jedes Gebäude geeignet. In jedem Fall ist eine Umrüstung der Heizungsanlage eine Investition in die Zukunft, die gut abgewogen werden sollte. Im Folgenden finden Sie eine kurze Übersicht über die gängigen Systeme, ihre Einsatzzwecke und mögliche Alternativen.
Wie Sie mit erneuerbaren Energien heizen können
Nicht nur die Anforderungen an den Klimaschutz, sondern auch das Streben nach Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas sowie deren Preisentwicklungen sind Gründe für Hausbesitzer*innen, sich für ein Heizen mit erneuerbaren Energien zu entscheiden.
Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Beim Heizen mit Pellets, Hackschnitzeln oder Holzscheiten kommt zum Beispiel der nachwachsende Brennstoff Holz zum Einsatz. Wärmepumpen nutzen hingegen Umweltwärme und Strom, der unter anderem aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind stammt. Die Stromerzeugung über eine eigene Photovoltaikanlage bietet sich dabei an, es kann aber auch Ökostrom bezogen werden.
Sonnenwärme (Solarthermie) wird meist in Kombination mit anderen Formen des Heizens genutzt. Ein ausschließliches Heizen über Sonnenwärme erfordert spezielle, effiziente Bauweisen sowie große Kollektorflächen und Wärmespeicher und ist nur in besonders ambitionierten Projekten realisierbar.
Welche der verschiedenen Möglichkeiten für Ihr Haus geeignet ist, erfahren Sie in unserer unabhängigen Energieberatung.
Heizsysteme im Wandel
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verfolgt gemeinsam mit dem Wärmeplanungsgesetz das Ziel, schrittweise die Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen, um bis 2045 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Fossile Heizungsanlagen auf Basis von Öl oder Gas, die heute noch weit verbreitet sind, sollen dabei ersetzt bzw. auf erneuerbare Energieträger umgerüstet werden.
Laut § 71 der aktuellen Fassung des GEG darf bei Städten mit über 100.000 Einwohnern (z.B. Göttingen) ab dem 01.07.2026, ansonsten ab dem 01.07.2028 eine Heizungsanlage nur eingebaut werden, wenn sie mindestens 65 % der bereitgestellten Wärme mit erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme erzeugt. Bis zu diesen Zeitpunkten soll eine Kommunale Wärmeplanung vorgelegt werden. Ob in Teilbereichen Nah- oder Fernwärmenetze zur Verfügung stehen oder angestrebt werden, soll aus der Kommunalen Wärmeplanung hervorgehen. Im Zusammenhang mit dieser, bei vorgesehenem Anschluss an ein Wärmenetz sowie bei Etagen- oder Einzelraumheizungen gelten Übergangsregelungen.
Die Anforderungen des GEG gelten unter Einhaltung der Einzelbestimmungen für die folgenden Anlagen als erfüllt:
- Hausübergabestation zum Anschluss an ein Wärmenetz
- elektrisch angetriebene Wärmepumpe
- Stromdirektheizung
- solarthermische Anlage
- Heizungsanlage zur Nutzung von Biomasse oder grünem oder blauem Wasserstoff
- Wärmepumpen-Hybridheizung bestehend aus einer elektrisch angetriebenen Wärmepumpe in Kombination mit einer Gas-, Biomasse- oder Flüssigbrennstofffeuerung
- Solarthermie-Hybridheizung bestehend aus einer solarthermischen Anlage in Kombination mit einer Gas-, Biomasse- oder Flüssigbrennstofffeuerung
Möglicherweise kommt der Anschluss an ein Wärmenetz in Frage, bei dem der Betreiber für die Bereitstellung von erneuerbarer Wärme verantwortlich ist, überwiegend werden aber weiterhin Einzelversorgungslösungen gefragt sein, unter denen sich insbesondere Wärmepumpen-Lösungen etablieren.
Öl- und Gasheizungen
Öl- und Gasheizungen sind flexibel einsetzbar und sind in vielen älteren Immobilien verbaut. Funktionierende Bestandsanlagen können zunächst weiterbetrieben werden, bei der Erneuerung wird aber ein Umstieg auf regenerative Systeme angestrebt. Aktuelle Heizungen verwenden die sogenannte Brennwerttechnik, das heißt sie gewinnen einen Teil der Wärme aus dem Abgas der Heizung zurück. Dadurch arbeiten Sie effizienter als Standard- oder Niedertemperaturheizkessel. Die Art der Heizkörper ist abhängig von der bereitgestellten Vorlauftemperatur. Bestehende Heizkörper sind aber häufig großzügig dimensioniert, sodass sie auch bei niedrigeren Vorlauftemperaturen einsetzbar sind.
Einige Gasheizungen können mittlerweile auch auf einen Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet werden, es bleibt jedoch fraglich, ob Wasserstoff zukünftig in ausreichendem Umfang für die Beheizung von Gebäuden zur Verfügung stehen wird.
Pelletheizungen
Pelletheizungen nutzen gepresste Holzreste als Energiequelle. Durch eine automatisierte Zufuhr der Pellets sind sie ähnlich komfortabel wie Gasheizungen, gelten aber als klimaneutral. Das während der Verbrennung freigesetzte CO₂ wurde zuvor durch das Wachstum des Baums im Holz gebunden. Da der Rohstoff Holz aber begrenzt ist, ist auf eine nachhaltige Bereitstellung der Pellets zu achten. Pelletheizungen kommen insbesondere in Frage, wenn im Altbau ein höheres Temperaturniveau im Heizwasserkreislauf benötigt wird, welches über Wärmepumpen nur begrenzt bereitgestellt werden kann. Sollen alte Ölheizungen ersetzt werden, so können die bestehenden Heizkörper und Rohrleitungen meist weiter betrieben werden. Auch ein Öllagerraum kann häufig zum Pelletlager umgerüstet werden.
Wärmepumpen
Wärmepumpen nutzen Umweltwärme, zum Beispiel aus der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser, und bringen diese nach dem Prinzip des umgekehrten Kühlschranks auf ein höheres Temperaturniveau. Für den Betrieb wird Strom benötigt. Wenn dieser regenerativ erzeugt wird, handelt es sich somit um ein erneuerbares Heizungssystem. In Neubauten gehören Wärmepumpen inzwischen zu den Standardlösungen, aber auch in bestehenden Gebäuden etablieren sie sich zunehmend. Damit Wärmepumpen effizient arbeiten können, sollte die Temperaturdifferenz zwischen der Wärmequelle und dem Heizwasser möglichst gering sein. Dies kann bei Gebäuden mit einem guten Dämmstandard besser erreicht werden. Am besten funktionieren Wärmepumpen im Zusammenspiel mit Flächenheizungen in Fußboden, Wand oder Decke. Ob Standardheizkörper weiter genutzt werden können, hängt davon ab, ob sie ausreichend groß dimensioniert sind, um eine geringere Vorlauftemperatur durch eine größere wärmeabgebende Fläche auszugleichen.
Sparen ohne Heizungstausch
Auch wenn die Erneuerung einer Heizungsanlage sich häufig auch ökonomisch lohnt, wollen oder können viele Hausbesitzer die notwendigen Kosten (noch) nicht aufbringen. Es gibt jedoch mehrere Maßnahmen, die nicht viel kosten und trotzdem viel Energie einsparen können:
Der hydraulische Abgleich
Beim hydraulischen Abgleich sorgt der/die Installateur*in über eine Regelung der Durchflussmenge an den einzelnen Heizkörpern dafür, dass sie in jedem Raum gleichmäßig warm werden. Bei vielen Heizungsanlagen wurde diese einfache Regelung jedoch nie vorgenommen. Trotz aufgedrehter Thermostate werden einzelne Räume dann nicht richtig warm. Sie fahren Ihre Heizanlage sozusagen mit “angezogener Handbremse”. Immer wenn Sie trotz gleicher Thermostatstellung eine unterschiedliche Temperatur in ihren Räumen bemerken, sollten Sie einen hydraulischen Abgleich in Erwägung ziehen.
Austausch der Heizungspumpe
Ältere Heizungsanlagen haben häufig eine ungeregelte Heizungspumpe, die immer mit der gleichen Leistung läuft, auch wenn es gerade nicht notwendig ist. Diese Pumpen sind nicht selten die größten Stromverbraucher im Haushalt. Der Austausch gegen eine moderne Hocheffizienzpumpe, die nur läuft, wenn sie wirklich benötigt wird, ist relativ günstig und rechnet sich meist innerhalb kürzester Zeit.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich den hydraulischen Abgleich oder den Austausch der Heizungspumpe fördern zu lassen. Mehr darüber erfahren Sie in unserer Fördermittelberatung.
Richtig Heizen und Lüften:
Eine der besten Möglichkeiten, Energie beim Heizen zu sparen, ist das Nutzer*innenverhalten. Unabhängig davon welche Heizung bei Ihnen installiert ist, können sie so Ihren Energieverbrauch deutlich reduzieren.
Beim Heizen kommt es darauf an, die richtige Temperatur zu wählen. Das hört sich vielleicht banal an, ist in der Praxis aber gar nicht so selbstverständlich. Insbesondere wird häufig missverstanden, wie das Thermostat, also der Temperaturregler der Heizung, eigentlich funktioniert. Léa Georges, unsere Frau für Öffentlichkeitsarbeit, demonstriert es in diesem Video und gibt Tipps für geeignete Raumtemperaturen:
Zusammenfassung der Tipps aus dem Video:
- In Wohnräumen wie Wohn- und Arbeitszimmer sollte die Temperatur zwischen 19 und 21 Grad liegen. Das entspricht Stufe drei auf dem Thermostat.
- In selten oder hauptsächlich zum Schlafen genutzten Räumen ist eine Temperatur zwischen 16 und 18 Grad ausreichend. In Schlafzimmern, Fluren und der Küche sollte das Thermostat daher auf Stufe zwei stehen.
- Nachts und bei Abwesenheit empfiehlt es sich, die Heizung auf 15 bis 16 Grad herunter zu regeln. Das Thermostat sollte dann zwischen eins und zwei stehen.
Beim Lüften ist vor allem die Dauerlüftung mit gekippten Fenstern ein richtiger Energiefresser. Die Heizung läuft ständig unter Volllast und richtig warm wird es trotzdem häufig nicht. Mehr Wohnkomfort und einen geringeren Energieverbrauch erreichen Sie durch eine Stoßlüftung. Öffnen Sie mehrfach am Tag ihre Fenster vollständig, sodass ein richtiger Durchzug entstehen kann. Wenige Minuten reichen aus, um die verbrauchte Raumluft gegen frische auszutauschen. Ein weiterer positiver Effekt beim sogenannten Querlüften ist eine effektive Reduktion der Luftfeuchtigkeit. Beim Lüften mit gekippten Fenstern entsteht hingegen schnell Kondenswasser in der Fensternische, was dann zur Schimmelbildung führt.










